Was bedeutet eigentlich „integrativ“?

Die Integrative Chinesische Medizin (ICM) ist in mehrfacher Hinsicht „integrativ“: Sie integriert Erfahrungen, Wissen und Verfahren

  • aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und
  • aus der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) sowie
  • aus der modernen Medizin und den Naturwissenschaften sowie
  • aus den modernen Gesundheitswissenschaften.

Dabei konzentriert sich die ICM auf diejenigen Vorgehensweisen, die wir als Praktikerinnen und Praktiker wirklich kennen und können müssen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, die sich uns anvertrauen.

Was uns die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) nutzen kann

Das Besondere und eigentlich ausgesprochen Moderne an der TCM ist ihre Syndromdiagnostik: Die Verfahren der TCM werden nicht nur symptomorientiert ausgewählt und angewendet. Durch die Erkennung komplexer Symptom- und Befundkombinationen (= Syndrome, Muster) kann die TCM den Systemzustand von Patientinnen viel genauer und individueller erfassen und gezielter behandeln. Mittlerweile können wir mit statistischen Methoden (Faktorenanalysen) auch nachweisen, dass Symptome und Befunde von Menschen nie in willkürlichen Kombinationen vorkommen, sondern immer in diesen bestimmten Mustern, die wir in der TCM Syndrome nennen.

In der ICM hat Jeremy Ross ein ebenso ausgeklügeltes wie einfaches und praktikables System von so genannten Differenzialdiagnostischen Fragen entwickelt. Diese Methodik erlaubt uns Praktiker, schnell und sicher eine Chinesische Diagnose zu stellen. Auch komplexe Fälle können wir beherrschen, denn Jeremy Ross beschreibt in der ICM auch, wie sich Syndrome – unter bestimmten Lebensumständen – aus anderen Syndromen entwickeln und in andere Syndrome weiterentwickeln. Durch das genaue Verstehen dieser Syndrombeziehungen können wir in der ICM für jede Patientin die genau passenden Verfahren der TCM auswählen und anwenden.

Außerdem stützt sich die ICM auf das so genannte Yangsheng – die chinesische Gesundheitsförderung und Prävention: Sie bezieht die eigenverantwortliche gesundheitsfördernde und krankheitsvermeidende Lebensführung der Patientinnen und Patienten ein und bringt ihnen entsprechende Techniken im Sinne der Selbsthilfe bei. Dies sind vor allem Techniken der Eigenmassage, des Qigong und der chinesischen Ernährungslehre.

Was uns die Traditionelle Europäische Medizin (TEM) nutzen kann

Auch die europäische Naturheiltradition hat uns Einiges zu bieten, mit der wir die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten verbessern können. Dies gilt vor allem für die Phytotherapie. Als Biologe und Botaniker ist es Jeremy Ross in der ICM gelungen, die Wirksamkeit westlicher Kräutern auf der Basis der Chinesischen Syndromdiagnostik auszuwählen und einzusetzen. Dadurch können wir in der ICM die westliche Phytotherapie dem individuellen Patientenzustand genau anpassen und auch komplexe Fälle wirksam behandeln.

Ebenso wie in der TCM kennen wir auch in der TEM Selbsthilfetechniken, die wir unseren Patientinnen beibringen. So können diese in eigener Verantwortung dazu beitragen, gesund zu werden bzw. gesund zu bleiben.

Was uns die moderne Medizin und die Naturwissenschaften nutzen können

In seinen Veröffentlichungen spezialisiert sich Jeremy Ross auf die Zusammenstellung wirksamer Kräuterkombinationen, die sich immer auf den aktuellen Stand der pharmazeutischen Grundlagenforschung beziehen. Es ist bemerkenswert, wie sich diese Forschung in den letzten Jahren bezüglich Quantität und Qualität der Studien entwickelt hat, Und diese Dynamik scheint in den nächsten Jahren ungebremst weiterzugehen. Für uns Praktiker ist es schwierig, mit dieser rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Jeremy Ross und andere Expertinnen der ICM versuchen, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und ihr Wissen an die Gemeinschaft der ICM-Praktiker weiterzugeben.

In unserem Herbst-Symposium (siehe unten und auf www.integrative-chinese-medicine.com/herbstsymposium) wird Jeremy Ross auf den aktuellen Forschungsstand der vorgestellten therapeutischen Konzepte eingehen. Außerdem wird Professor Dieter Melchart (Vorsitzender der wissenschaftlichen Beirats der TCM-Klinik Bad Kötzting) von den Ergebnissen seiner klinischen Forschung und seiner Literaturrecherchen zur TCM berichten. Auch wir als Praktiker sind aufgefordert, die Qualität unseres täglichen Tuns zu beobachten und ständig zu verbessern: In der ICM geschieht dies im Sinne eines wissenschaftlichen Qualitätsmanagements. Professor Erich Wühr wird dazu in unserem Herbst-Symposium ein ebenso einfaches wie praktikables Konzept vorstellen.

Was uns die modernen Gesundheitswissenschaften nutzen können

Sowohl in der TCM als auch in der TEM wird seit jeher die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten betont und gefordert. Dies ist unter den aktuellen Bedingungen in unserem Gesundheitswesen wichtiger denn je: 80% der Todesursachen fallen auf die so genannten Zivilisationskrankheiten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Lungenkrankheiten, Diabetes-Typ-II, chronische myofasziale Schmerzen, Immun-Defizit-Erkrankungen bis hin zu Tumorerkrankungen und Stressfolgeerkrankungen u.a.m. Ebenso 80% ist der Anteil dieser Erkrankungen an den Diagnosen in den deutschen Allgemeinarztpraxen. Und diese Zivilisationskrankheiten sind nahezu ausschließlich durch einen belastenden Lebensstil der betroffenen Menschen verursacht. Im Umkehrschluss bedeutet dies, das bei solchen Erkrankungen nicht die Behandlung im Vordergrund stehen muss, sondern die Lebensstiländerung der Patientinnen und Patienten. Dazu beraten und befähigen wir in der ICM unsere Patienten zu einem gesundheitsfördernden und präventiven Lebensstil. Wir bringen ihnen Selbsthilfetechniken aus der TCM und der TEM bei und begleiten sie im Sinne eines modernen, gesundheitswissenschaftlich basierten Gesundheitscoachings über einen längeren Zeitraum. Dabei machen wir in der ICM die Erfahrung, dass sich nicht nur Kranke auf diese Art der Gesundheitsbildung einlassen, sondern zunehmend auch gesunde Menschen, die gesund bleiben wollen.

In unserem Herbst-Symposium (siehe unten und auf www.integrative-chinese-medicine.com/herbstsymposium) werden Frau Dr. Claudia Nichterl und Herr Professor Erich Wühr über das Yangsheng-Gesundheitscoaching berichten.

Wie wir die ICM lernen und umsetzen können

Durch ihre logische und systematische Vorgehensweise ist die ICM schnell und sicher zu erlernen und praktikabel in der täglichen Praxis umzusetzen. In Zusammenarbeit mit Jeremy Ross und anderen Expertinnen der ICM wurden dazu zahlreiche Medien entwickelt. Diese sind multimedial aufbereitet: Es gibt Bücher in englischer und deutscher Sprache, ebenso eine zweisprachige Website sowie eine Facebook-Seite und einen YouTube-Kanal, kostenlose Videos und Online-Kurse, Webinare und Seminare sowie eine Basis-Ausbildung.

Derzeit arbeiten wir zusammen mit Jeremy Ross an einer Software, die für Praktiker die tägliche Arbeit am Patienten deutlich beschleunigen und erleichtern wird: Das Programm bereitet das Wissen und die Vorgehensweisen von Jeremy so auf, dass Syndrome schnell und sicher erkannt und die passende Therapie schnell und sicher bestimmt werden kann.

Programm

1.    Herbst-Symposium „Integrative Chinesische Medizin nach Jeremy Ross“

von Freitag, 28. bis Sonntag, 30. Oktober 2022 im SINOCUR Präventionszentrum in Bad Kötzting (in Kooperation mit der TCM-Klinik Bad Kötzting)

Freitag, 28.10.2022 Wissenschaft in der Integrativen Chinesischen Medizin
14.30 bis 15.00 Uhr Erich Wühr Begrüßung und Einführung „Was ICM für Medizin und Gesundheitswissenschaften bedeutet“
15.00 bis 16.00 Uhr Dieter Melchart Evidence-based Medicine in der TCM und 30 Jahre Wissenschaftliches Qualitätsmanagement an der TCM-Klinik Bad Kötzting
16.00 bis 16.30 Uhr Pause
16.30 bis 17.00 Uhr Volker Fischer Das Burnout-Syndrom in der westlichen Medizin
17.00 bis 17.30 Uhr Erich Wühr Wissenschaftliches Qualitätsmanagement – Wie wir als Praktiker täglich erfolgreicher werden
17.30 bis 18.00 Uhr Erich Wühr Qigong als umfassender Gesundheitssport – Wie wir Qigong unterrichten Teil 1
Samstag, 29.10.2022 Praxis in der Integrativen Chinesischen Medizin – Schwerpunkt: Burnout-Syndrom
9.00 bis 10.00 Uhr Jeremy Ross Research-based Western Herbs Combinations <wird übersetzt>
10.00 bis 11.00 Uhr Jeremy Ross How to Improve Case History Taking <wird übersetzt>
11.00 bis 11.30 Uhr Pause
11.30 bis 13.00 Uhr Jeremy Ross How to Treat Exhaustion in ICM – Syndrome Diagnosis, Single Herbs, Pairs an Trios of Herbs <wird übersetzt>
13.00 bis 14.00 Uhr Mittagspause
14.00 bis 15.30 Uhr Jeremy Ross How to Treat Exhaustion in ICM – Preset Herbal Combinations <wird übersetzt>
15.30 bis 16.00 Uhr Pause
16.00 bis 17.30 Uhr Lingky Tan-Beinroth Gynäkologische Indikationen in der ICM mit Fokus auf Erschöpfungszustände
17.30 bis 18.00 Uhr Erich Wühr Qigong als umfassender Gesundheitssport – Wie wir Qigong unterrichten Teil 2
Sonntag, 30.10.2022 GesundheitsCoaching in der Integrativen Chinesischen Medizin
9.00 bis 10.00 Uhr Ruth Illing Kinderwunsch in der ICM mit Fokus auf Erschöpfungszustände
10.00 bis 10.30 Uhr Erich Wühr Yangsheng-Gesundheitscoaching in der ICM
10.30 bis 11.00 Uhr Pause
11.00 bis 12.30 Uhr Claudia Nichterl Integrative Ernährung und ICM
12.30 bis 13.00 Uhr Erich Wühr Demonstration: Die ICM-App und Verabschiedung
Integrative Chinesische Medizin nach Jeremy Ross

Autor: Professor Dr. Erich Wühr, M.Sc.
Wissenschaftlicher Beirat der TCM-Klinik Bad Kötzting
Gesundheitscampus Bad Kötzting der Technischen Hochschule Deggendorf
Lehrgebiet „Gesundheitsförderung und Prävention“